„Das Selbstbewusstsein der Frauen wird kontinuierlich untergraben. Neben Schlägen und Tritten  erfahren Frauen systematische Erniedrigung und Beschimpfungen.“ Das erzählte Sabine Fischediek, Leiterin des Frauenhauses in Rheine. Sie war mit Claudia Schmidtfrerick, Erzieherin und Traumatherapeutin einer Einladung der SPD Frauen ins SPD Büro Greven gefolgt.  

Beide schildern das Leben von Frauen und Kindern, die körperliche, seelische und/oder sexuelle Gewalt erfahren haben in berührenden Beispielen. Alle Schichten seien betroffen.  „Frauen und Kinder sind vielfach traumatisiert durch das, was sie erlebt haben“, erklärt Claudia Schmidtfrerick. Die Frauen bringen außerdem noch Traumatisierungen aus ihrer eigenen Kindheit mit. „Viele Kinder sind entwurzelt“, so  Schmidtfrerick. Für die Kinder sei es wichtig, sichere Rahmenbedingungen zu erfahren und gelernte Gewaltmuster zu durchbrechen. 

Im Frauenhaus finden 8 Frauen mit ihren Kindern Zuflucht. „Unsere Aufgabe ist es, die Persönlichkeit der Frauen zu stabilisieren und Respekt zu vermitteln. Nur so können die Frauen den Respekt vor der eigenen Person wiederfinden.  Die Frauen müssen sich nach den erlebten Demütigungen selbst wiederfinden“ erklärt Fischediek die Beziehungsarbeit mit vertrauenserschütterten Frauen und Kindern.

Das Bundeskriminalamt spricht von 140.000 Fällen partnerschaftlicher Gewalt im vergangenen Jahr. An jedem Tag wird eine Frau Opfer von versuchtem Mord oder Totschlag. An jedem dritten Tag gelingt die Gewalttat. „Die Zahlen sind unerträglich“, so Monika Erben, Vorsitzende der ASF. „Hinter ihnen verbirgt sich entsetzliches Leid für Frauen und Kinder.“

Mit Sorgen schauen beide auf die kaum auskömmliche Finanzierung des Frauenhauses. Nur unter extremer Anstrengung kann die Ausstattung des Hauses auf einem akzeptablen Niveau gehalten werden. Die Finanzierung reicht nicht. Bei Sorgerechtsverfahren werde auf das Wissen der Mitarbeiterinnen des Frauenhauses  um die Kinder nicht zurückgegriffen. „Es bedarf außerdem häufig einer Begleitung der Frauen zu den entsprechenden Behörden. Die Frauen sind im Dickicht der Verwaltungen verloren“, erläutert Fischediek. Die begleitende Person fehle dann im Frauenhaus. Personell arbeitet das Frauenhaus, das 24 Stunden erreichbar ist auf dem absoluten Mindeststandard. Auf die Frage wie Frauen, die nicht im Sozialleistungsbezug sind den Aufenthalt im Frauenhaus finanzieren erklärte sie: wer nicht im Sozialleistungsbezug sei, müsse den Aufenthalt selber zahlen. Es gäbe Frauen, die sich verschulden um ihr Leben im Frauenhaus zu finanzieren. „Das kann nicht sein“, machte  Monika Erben, ASF (Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Frauen) Vorsitzende deutlich. Wünschenswert sei eine kostenfreie Nutzung der Frauenhäuser durch die Opfer. „ Der Zugang zu Frauenhäusern muss durch eine verlässliche pauschale Finanzierung durch die  öffentlichen Hand garantiert sein“, so Erben weiter. „Nur so ist ein Schutz für alle von Gewalt betroffenen Frauen garantiert. “

Beeindruckt von dem großen Engagement der beiden Frauen bedankten sich die SPD Frauen für den Besuch. Der Bitte nach einem Photo für die Öffentlichkeit konnte nicht nachgekommen  werden weil der Schutz der beiden Vertreterinnen des Frauenhauses an erster Stelle steht. Auch das spricht für sich.